Arbeitsgruppe Frauen und Sucht

1995 erarbeitete die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) erstmals eine Definition von „frauenspezifischer Suchtarbeit“ mit folgendem Inhalt: Frauenspezifische Suchtarbeit ist die Arbeit, die eine Berücksichtigung des Frau-Seins und der Lebenssituation von Frauen zur Grundlage hat. Das beinhaltet für alle Arbeitsbereiche der Suchtkrankenhilfe (Prävention, Beratung, Behandlung und Selbsthilfe) die Beachtung von

•    Rollenverständnis und Identität von Frauen

•    Körpergefühl und Sexualität von Frauen

•    (Erfahrung von) Gewalt und sexueller Gewalt in Kindheit und Erwachsenenleben

•    gesellschaftlichen und persönlichen Abhängigkeiten.

Auch in neueren Veröffentlichungen bestätigen sowohl die DHS  als auch die WHO, dass nach über zwei Jahrzehnten Praxis und Forschung in der frauenspezifischen Suchthilfe die Notwendigkeit von Gender Mainstreaming für eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik aktuell und dringend erforderlich  ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Anteil abhängiger Frauen ansteigt und bei Mädchen und  jüngeren Frauen polytoxe  Abhängigkeitsmuster zunehmen.

Forschung und Praxis zeigen, dass Frauen, die abhängig geworden sind,  in anderer Weise betroffen sind als Männer. Frauen konsumieren Suchtmittel isolierter, heimlicher, sie werden weniger sozial auffällig, versuchen weiterhin ihren Alltagsaufgaben in Familie und Beruf nachzukommen, ihr Leben zu organisieren und dabei den Schein nach außen zu wahren. Überproportional häufig haben Frauen in ihrer Lebensgeschichte Erfahrungen von Gewalt oder sexualisierter Gewalt gemacht.

Frauen unterscheiden sich bezüglich Ursachen und Verläufen von Suchterkrankungen sowie hinsichtlich ihrer bevorzugten Suchtmittel, Konsummuster und komorbiden Störungen. Obwohl Frauen mittlerweile je nach Suchtmittel 1/3 bzw. 2/3 aller Betroffenen stellen, erreichen Beratungs- und Behandlungsangebote weniger als ein Viertel der betroffenen Frauen, wenn es keine auf Frauen und Mädchen zugeschnittenen Angebote gibt.

Um suchtmittelabhängige Frauen und Mädchen mit einem bedarfsgerechten Beratungs- und Behandlungsangebot besser zu erreichen,

  • gründete sich 1995 auf der Grundlage der Definition von  frauenspezifischer Suchtarbeit der DHS die Arbeitsgruppe „Frauen und Sucht in Rheinland Pfalz“, die sich vierteljährlich trifft und in der sich Fachfrauen aus verschiedenen Institutionen des Suchthilfesystems vernetzt haben, um frauenspezifische Aspekte und Angebote in die Suchtarbeit einzubringen und zu fördern;
  • wurden 1996 von der Frauenabteilung des damaligen Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen im Rahmen des 1992/1993 aufgelegten Fachkräfteprogramms des Landes Rheinland-Pfalz 5 Fachstellen zur Suchtberatung und Suchtbehandlung installiert, die frauenspezifische Suchtarbeit innerhalb unterschiedlicher Beratungsstellen anbieten.