Arbeitsgruppe Niedrigschwellige Sozialarbeit

Angebote niedrigschwelliger Hilfe für KonsumentInnen illegaler und legaler Drogen wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten ausgebaut und differenziert. Sie sind integraler Bestandteil des Suchthilfesystems geworden und stellen eine notwendige und sinnvolle Erweiterung der Angebote ambulanter Beratungsdienste dar.
Neben den Komm-Strukturen der Beratungsstellen bietet niedrigschwellige Arbeit bedarfsgerechte und zeitnahe Kontaktaufnahme an.

Niedrigschwellige Sozialarbeit ist gekennzeichnet durch einen akzeptierenden, nachgehenden Arbeitsansatz. Art und Umfang regelt das örtliche Konzept des jeweiligen Trägers, das am Rahmenkonzept Rheinland-Pfalz ausgerichtet ist. Sie orientiert sich an dem Bedarf der KlientInnen und umfasst sowohl Angebote in Beratungsstellen, Außenstellen und Kontaktläden, als auch direkte Hilfen in der Szene.
Auftrags- und Zielklärung niedrigschwelliger Einzelfallarbeit ist prozesshaft und wird in Zusammenarbeit mit den KlientInnen entwickelt. Die Arbeit ist nicht primär abstinenzorientiert, sondern bietet stabilisierende Hilfen an.
Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes zielen Interventionen neben der Veränderung des Suchtmittelkonsums auf die gesamte persönliche und soziale Situation der Betroffenen.

 

Zielgruppen und Ziele niedrigschwelliger Sozialarbeit

Zielgruppe sind KonsumentenInnen legaler und illegaler Drogen mit riskantem Konsum und in allen Phasen der Abhängigkeit, Menschen mit stoffungebundenen Abhängigkeitserkrankungen sowie Angehörige und Bezugspersonen.

Ziel niedrigschwelliger Arbeit ist die Kontaktaufnahme und Beziehungspflege zu o.g. Zielgruppe, die bisher noch keinen Kontakt zum bestehenden Suchtkrankenhilfesystem hatte oder auf Grund ihrer Konsumgewohnheiten nicht in der Lage sind, den Kontakt herzustellen bzw. zu halten.

 

Ausblick

In der heutigen, durch zunehmende Verarmung und hohe Konsumhaltung geprägten Zeit, ist eine Steigerung der Zahl von Suchtmittelabhängigen eindeutig zu verzeichnen. Hochschwellige Beratungsangebote erreichen erfahrungsgemäß nur einen Teil der Hilfesuchenden - Obdachlose und Menschen mit chronifizierter Suchtmittelabhängigkeit werden von ihnen kaum erreicht. Gerade hier wird es zunehmend erforderlich sein, niedrigschwellige und akzeptierende Ansätze zu fördern, damit Menschen in diesen besonders problematischen Lebenslagen erreicht werden.

Drogenkonsummuster unterliegen einem ständigen Wandel, deshalb sind die Angebote der niedrigschwelligen Arbeit ständig den Erfordernissen anzupassen und weiterzuentwickeln.
Konsumräume und Originalstoffvergabe für Opiadabhängige sollte daher auch in Rheinland-Pfalz für bestimmte KlientInnen zur Verfügung stehen.

Der Ausbau von Lebensgemeinschaften für Menschen, die therapeutisch nicht mehr erreichbar sind, wird in den kommenden Jahren nötig werden, ebenso Angebote für drogenabhängige Menschen, die psychisch krank, alt und pflegebedürftig sind.

Eine qualifizierte niedrigschwellige Arbeit ist personal- und zeitintensiv da sie sich an den Bedingungen ihrer Klienten orientiert. Dies erfordert hohe Flexibilität in Planung und Umsetzung. Beim Ausbau und der Etablierung solcher Angebote zeigen Politik und Gesellschaft ihre Werte und ihre Interessen. Die Eingliederung und Förderung benachteiligter Menschen sollte neben traditionellen Interessen wie permanentem Wachstum, Konsum und Erfolg, wegweisend sein.

 

Unter der Rubrik Fachkräfte finden den oder die AnsprechpartnerInnen in Ihrer Region zum Thema "Niedrigschwellige Sozialarbeit".