Hitzewelle macht deutlich: Energetische Sanierungen schützen Gesundheit und Geldbeutel

Umwelt- und Sozialverbände fordern Landesregierung zum Handeln auf – Sommerhitze trifft Bewohner:innen schlecht gedämmter Gebäude besonders hart

  • Schlecht sanierte Wohnungen werden bei Hitzewellen zur Gesundheitsgefahr – besonders für ältere Menschen, Kleinkinder und einkommensschwache Haushalte
  • Rheinland-Pfalz braucht ein niedrigschwelliges Sanierungsförderprogramm und ein Wohnraumaufsichtsgesetz
  • Hitzewellen kosten die deutsche Wirtschaft viele Milliarden Euro – energetische Sanierung ist Investition, nicht Kostenfaktor

Mainz, den 26.06.2026 Während Rheinland-Pfalz unter einer anhaltenden Hitzewelle leidet, werden die Schwächen des Gebäudebestands im Land schlagartig sichtbar: Schlecht gedämmte Wohnungen heizen sich im Sommer ebenso schnell auf, wie sie im Winter auskühlen. BUND Rheinland-Pfalz, LIGA der Freien Wohlfahrtspflege, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und Der Paritätische machen darauf aufmerksam, dass energetische Sanierungen nicht nur Heizkosten und Emissionen senken – sie sind auch ein wirksamer Schutz vor gefährlicher Sommerhitze. „Wer in einer Schrottimmobilie wohnt – schlecht isolierte Gebäude mit maroder Bausubstanz und veralteter Heiztechnik – hat im Winter zu hohe Heizkosten und im Sommer keine kühle Zuflucht. Das ist keine Frage des Komforts, sondern der Gesundheit“, erklärt Sabine Yacoub, Vorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz.

Schrottimmobilien werden im Sommer zur Hitzefalle

Eine gut gedämmte Gebäudehülle verlangsamt den Wärmeeintrag – ebenso wichtig ist jedoch außenliegender Sonnenschutz, besonders in Dachgeschosswohnungen, wo intensive Sonneneinstrahlung auf Dachflächen und ungeschützte Fenster trifft. Ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen sind gesundheitlich am stärksten gefährdet – und genau diese Gruppen leben aufgrund begrenzter finanzieller Mittel überproportional häufig in energetisch schlechten Mietwohnungen, weil sie keine andere Wahl haben. 

„Armut darf nicht krank machen – weder durch kalte Wohnungen im Winter noch durch unerträgliche Hitze im Sommer. Menschen mit geringem Einkommen können sich ihre Wohnung häufig nicht aussuchen und haben kaum Möglichkeiten, selbst für baulichen Hitzeschutz zu sorgen. Deshalb steht das Land in der Verantwortung, für gesunde und menschenwürdige Wohnverhältnisse zu sorgen.“ so Albrecht Bähr, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz.

Mehr als ein Drittel der Gebäude in Rheinland-Pfalz ist stark sanierungsbedürftig. Diese Wohnungen heizen sich am schnellsten auf, kühlen am langsamsten ab – und werden ausgerechnet am seltensten saniert. Eine sozial- und klimapolitisch paradoxe Situation. 

Hitzeschutz ist auch Wirtschaftsschutz

Die Folgen unzureichender Sanierung treffen nicht nur einzelne Haushalte, sondern die gesamte Gesellschaft. Hitzewellen verursachen steigende Krankenstände, Produktivitätsverluste und wachsende Gesundheitskosten – Schäden, die sich laut dem Kreditversicherer Allianz Trade für die deutsche Wirtschaft bis 2030 auf 112,5 Milliarden Euro summieren könnten. Wer jetzt in den Gebäudebestand investiert, senkt nicht nur Heizkosten und Emissionen, sondern schützt auch Arbeitskräfte und entlastet das Gesundheitssystem. Energetische Sanierung ist damit keine Kostenfrage, sondern eine Investition in die Widerstandsfähigkeit des Landes.

Was die neue Landesregierung jetzt tun muss

Die Verbände begrüßen die im Koalitionsvertrag angekündigten Investitionen der neuen Landesregierung, fordern aber zwei konkrete Schritte, um den Sanierungsstau wirksam zu überwinden: ein niedrigschwelliges Landesförderprogramm, das Einzelmaßnahmen wie Dachdämmung, Sonnenschutz und Fenstertausch mit erhöhten Förderquoten und kommunalen Sanierungsbegleiter*innen unterstützt – mit dem Ziel der Warmmietenneutralität – sowie ein Wohnraumaufsichtsgesetz, das Kommunen endlich die rechtlichen Mittel gibt, Mindeststandards gegenüber sanierungsunwilligen Vermieter*innen durchzusetzen. Beides ist in Rheinland-Pfalz längst überfällig. 

Daniel Kieslinger, LIGA-Geschäftsführer betont: „Ankündigungen allein kühlen keine einzige überhitzte Wohnung. Die Landesregierung muss jetzt Fördermittel, Beratung und verbindliche Mindeststandards zusammenführen. Besonders dort, wo Vermieterinnen und Vermieter notwendige Maßnahmen über Jahre verweigern, brauchen die Kommunen endlich eine klare rechtliche Handhabe.“

Hintergrund: Verbändeübergreifendes Positionspapier „Sanierungsstau überwinden, Klimaziele erreichen, sozialen Wohnraum sichern.“

Hinweis: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz veröffentlicht heute eine eigene Mitteilung mit vertiefenden Informationen zu baulichen Schutzmaßnahmen.

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